Die Anfänge in Italien & Mussolini Biographie

Ursprünge der faschistischen Bewegung -
der Weg zum faschistischen Italien unter Benito Mussolini

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Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Land von einer tiefen wirtschaftlichen und auch politischen Krise erschüttert. Die Ursache der Inflation lag in den durch Verschuldung finanzierten Militärausgaben: die Preise stiegen, während die Reallöhne sanken. Die politische Unzufriedenheit war auf die Friedensverträge zurückzuführen. Obwohl Italien zu den Siegermächten gehörte, setzte sich bald die Meinung durch, die italienischen Politiker hätten sich nicht genug für die Interessen des eigenen Landes eingesetzt. Diese Haltung ist hauptsächlich auf die unerfüllt gebliebenen Territorialwünsche, vor allem in Bezug auf Dalmatien und die jugoslawische Stadt Fiume, zurückzuführen.
Hier hinzu kommt das Wiederaufflammen der sozialen Konflikte; die Streiks der ArbeiterInnen nahmen zu und ebenso die Anzahl der Gewerkschaftsmitglieder. Diese Unruhen und Sozialkämpfe führten unter anderem zu einer tiefen Verunsicherung der alten Eliten, welche ihre Machtstellung innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung bedroht sahen.
Mit der Einführung des allgemeinen Wahlrechts für Männer verloren die Liberalen 1919 in den ersten Wahlen nach dem Weltkrieg die parlamentarische Mehrheit, es hatten sich die Sozialisten (PSI) und die katholische Volkspartei (PPI) durchgesetzt. Somit geriet die politische Ordnung, die sich 60 Jahre gehalten hatte, in eine Herrschaftskrise und für das Land begann eine Phase der Instabilität.

Gründung der Fasci und deren Aufstieg
Am 23. März 1919 gründeten radikale Nationalisten und Sozialrevolutionäre unter der Führung Benito Mussolinis in Mailand die „Fasci Italiani di combattimento“, die italienischen Kampfbünde. Der erste Versuch eine parlamentarische Mehrheit zu erreichen schlug 1919 jedoch fehl, den Faschisten gelang nicht einmal der Einzug ins Parlament. Die Enttäuschung weiter Teile der Bevölkerung über den Ausgang des ersten Weltkrieges und auch der Friedensverhandlungen, sowie die entschlossene Gewaltanwendung der Faschisten verlieh der Bewegung jedoch Auftrieb. Der Schriftsteller und Weltkriegskämpfer d’Annunzio eroberte mit seiner Armee im September 1919 die Stadt Fiume. Dort führte er 15 Monate lang eine Privatdiktatur und schuf damit das erste Modell eines faschistischen Staates.
Die GrossgrundbesitzerInnen und industriellen Eliten waren durch die Stärkung und auch die Macht der ArbeiterInnen - Bewegung beunruhigt. Diese Situation machten sich die Schlägertrupps der Fasci, die so genannten Squadren, zu Nutze, indem sie mit Gewalt gegen die Strukturen der ArbeiterInnen vorgingen, um diese niederzuschlagen und sich so als Retter der alten Ordnung, beziehungsweise als Schutz vor einer bolschewistischen Revolution zu präsentierten. In den Städten Norditaliens verbanden sich junge Nationalisten, gründeten neue Fasci und riefen zum Sturm auf die LandarbeiterInnen und die errichteten Kommunalverwaltungen auf. Mit finanzieller und materieller Unterstützung der Eliten vertrieben die Squadren die SozialistInnen aus den besetzten Fabriken und drangen in der Folgezeit vermehrt von den Städten aufs Land vor. Mehrere solcher Trupps schlossen sich zu einer Kolonne zusammen und überfielen Dörfer oder stürmten die Sitze der sozialdemokratischen Ortsgruppen. Die Schläger entführten die lokalen Führungskräfte, erniedrigten, prügelten und töteten sie.
Die Polizei und die Verwaltung liessen die Faschisten meist gewähren, da sie in ihnen Verbündete im Kampf um die Erhaltung der politischen Ordnung sahen, aber nicht erkannten, dass sich die FaschistInnen die Übernahme der Macht und damit verbunden die Zerstörung der bestehenden liberalen Politik zum Ziel gesetzt hatten.

1922: Die Stunde des Faschismus
In den Jahren 1921 und 1922 hatte sich die faschistische Bewegung geographisch als auch zahlenmässig ausgedehnt und zählte über 300‘000 Mitglieder.
Am 7. April 1921 löste der König Vittorio Emanuele III., veranlasst durch den damaligen Regierungschef Giovanni Giolitti, das Parlament auf und setzte für den 15. Mai Neuwahlen fest. Der Hintergedanke bei diesen vorgezogen Wahlen war die sozialistische Mehrheit im Parlament zu schwächen und die Faschisten in die Politik mit einzubeziehen. Aus diesem Grund wurden die Fasci in die Listen der „nationalen Blöcke“ aufgenommen. In diesen Wahlen gewannen die nationalen Blöcke eine schwache Mehrheit, waren untereinander aber derart zersplittert, dass keine Basis für eine Regierung gefunden werden konnte. Mussolini hielt mit 35 Sitzen Einzug ins Parlament. Die neu gewonnene parlamentarische Legitimation der faschistischen Bewegung setzte den Gewalttaten der Squadren jedoch kein Ende. Gegen aussen präsentierte sich Mussolini jedoch als gemässigter Politiker, der einen starken Staat und eine starke Regierung befürwortet. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung stellte die Gründung der Partito Nazionale Fascista (PNF), der Faschistischen Nationalen Partei dar, in der er immer mehr zum unbestrittenen Kopf, also zum „Duce“ (Führer) wurde. Was bis zu diesem Zeitpunkt als Bewegung zu bezeichnen war, hatte sich nun in eine Partei umgewandelt. Jedoch auch die Parteibildung bedeutete keineswegs die Auflösung der Schlägertrupps, im Gegenteil: für die erwachsenen männlichen Mitglieder wurde die Mitgliedschaft Pflicht.
Als entscheidende Niederlage der SozialistInnen gilt der gescheiterte Generalstreik von 1922. Am 1. August stellte die Führung der PNF dem Staat das Ultimatum, dass, wenn dem Streik nicht innert 24 Stunden ein Ende gesetzt würde, die Squadren das „Problem“ selbst lösen würden. Die FaschistInnen gingen zur Offensive über, bevor die Frist überhaupt abgelaufen war.
Die faschistische Partei forderte nach diesem Sieg Neuwahlen und drohte einen Aufstand auszulösen, sollten ihre Forderungen nicht erfüllt werden. Mussolini kündigte den „Marsch auf Rom“ seiner Anhänger an, um die italienische Regierung gewaltsam zu übernehmen. Am 27. Oktober gab der Regierungschef Luigi Facta seinen Rücktritt bekannt, worauf sich die faschistischen Kolonnen noch am selben Tag auf den Weg machten, um auf Rom zu marschieren. Am Morgen des 28. Oktobers verweigerte der König seine Unterschrift und verhinderte somit, dass der Notstand ausgerufen werden und die Armee eingreifen konnte. Zudem entschied sich der König auf Drängen konservativer Politiker, Mussolini als neuen Ministerpräsidenten einzusetzen, und bestellte diesen nach Rom. Am 30. Oktober traf Benito Mussolini mit dem Nachtzug in Rom ein und begab sich im schwarzen Hemd, der squadristischen Uniform, zum König.
Nach der Ernennung Mussolinis zum Regierungschef zogen seine Anhänger schliesslich am 31. Oktober 1922 in Rom ein, um ihren Führer bei seiner Siegesrede zu feiern.
Der hier inszenierte Marsch auf Rom diente nur noch der Propaganda. Es fand in diesen Oktobertagen keine Revolution statt, sondern Mussolini wurde von rechtskonservativen Kräften, denen der Mut zum Widerstand fehlte oder die sich von einer Regierung unter den Faschisten gewisse persönliche Vorteile erhofften, an die Macht gebracht.

Der Faschismus wird zur Staatsideologie
Am 24. November 1922 beschloss das Parlament in einem selbstzerstörerischen Entscheid der Regierung bis zum 31. Dezember 1923 sämtliche Machtbefugnisse zu übertragen. Dies bedeutete, dass das Parlament in dieser Zeit keine Rolle spielte, beziehungsweise, dass die absolute Entscheidungs- und Verfügungsmacht bei der Regierung, sprich bei Mussolini lag. Nicht wenige hofften, dass die Faschisten so zu einer gewissen Normalität und die Gewalttaten ein Ende finden würden, was sich aber bereits nach kurzer Zeit als Illusion entpuppte.
Der Faschismus hatte zwar nicht zum Ziel den Staat zu zerstören, es genügte aber auch nicht die Entscheidungszentren in der Hand zu haben. Die eigenen Parteistrukturen sollten dem Staat seine Form geben. So wurden die Squadren im Januar 1923 in eine Sicherheitspolizei, die Milizia Volontaria per la Sicurezza Nazionale (MVSN), umgewandelt. Zusätzlich wurden dem im Dezember zuvor eingerichteten faschistischen Grossrat seine Aufgaben zugewiesen und dessen Zusammensetzung bestimmt. Beides waren Parteiorgane, die nun einen institutionellen Platz einnahmen.
Mit verschiedenen Reformen war es Mussolini zwischen dem Herbst 1922 und dem Frühling 1923 gelungen, einen grossen Teil der Staatsgewalt in seinen Händen zu konzentrieren und das, obwohl er im Parlament nur 35 Abgeordnete hatte. Um diese parlamentarische Situation zu verändern, denn die Übertragung der Machtbefugnisse würde bald ablaufen, wurde ein neues Wahlgesetzt ausgearbeitet. Demnach sollte die Partei, welche auf nationaler Ebene die Mehrheit erreicht, zwei Drittel aller Sitze im Parlament erhalten. Im Januar 1924 wurde das Parlament aufgelöst, die Wähler wurden am 6. April an die Urnen gerufen. Jegliche antifaschistische und nichtfaschistische Wahlpropaganda oder Aktivität wurden unterdrückt. Versammlungen wurden verhindert und die Oppositionellen wurden vor den Augen der Polizeibehörden gejagt und teilweise auch getötet. Die Wahlen zeigten das erhoffte Ergebnis. Die faschistische Liste erreichte die Mehrheit. Am 18. Juni beschlossen fast alle Oppositionsparteien, sich aus dem Parlament zurückzuziehen, und gründeten die „Aventinische Sezession“. Einzige Möglichkeit, die ihnen blieb, war Druck auf den König, das Militär und das Unternehmerbürgertum auszuüben, jedoch ohne Erfolg. Angesichts der Schwäche der Opposition gelang es Mussolini seine Machtposition noch weiter auszubauen und zu stärken. In den folgenden Jahren errichteten die Faschisten in Italien eine totalitäre Diktatur, mit Mussolini als Duce, als Führer, an der Spitze. Regimekritische Meinungen wurden verboten, die Pressefreiheit wurde abgeschafft, GegnerInnen der faschistischen Ordnung wurden mit den Repressionsmassnahmen eines ausgebauten Polizeistaates verfolgt und zum Schweigen gebracht.
Trotz der vielen Ähnlichkeiten unterschied sich die faschistische neue Ordnung Italiens deutlich von dem vom Nationalsozialismus angestrebten Modell. Während Hitler einen völkisch geordneten Rassenstaat zu errichten versuchte, strebte Mussolinis Regime nach einem starken Staat unter Einbindung der alten Eliten und nach Etablierung einer skrupellosen Machtpolitik. Diese Unterscheidung darf aber nicht zu einer Verharmlosung des faschistischen Regimes Italiens führen.


Mussolini Biographie:

1883
29. Juli: Benito Mussolini wird in Dovia di Predappio geboren.

1901
Abschluss seiner Ausbildung zum Grundschullehrer. Eintritt in die Sozialistische Partei Italiens (PSI).

1902
Um sich dem Militärdienst zu entziehen geht er in die Schweiz.

1905/06
Rückkehr nach Italien, wo er den Militärdienst ableistet

1911
Mussolini ruft zum Generalstreik gegen den italienischen Eroberungskrieg in Libyen auf und wird zu einer fünfmonatigen Haft verurteilt.

1912
Juli: Er wird in den Exekutivausschuss der PSI gerufen.
November: Er wird Chefredakteur der sozialistischen Tageszeitung „Avanti“ in Mailand.

1914
29. Juli: Unterzeichnung des Antikriegsmanifests seiner Partei.
Oktober: Übertritt zu den Kriegsbefürwortern, da er im Krieg die eigentliche Revolution sieht; fordert die Teilnahme Italiens am ersten Weltkrieg. Er wird aus der PSI ausgeschlossen. Gründung der nationalistischen Zeitung „Popolo d’Italia“.

1915
31. August: Mussolini wird Soldat.

1917
August: Rückkehr nach Mailand nach einer schweren Verwundung.

1919
23. März: Beteiligung an der Gründung der „fasci italiani di combattimento“

1921
15. Mai: Einzug der Faschisten ins Parlament mit 35 Sitzen. Mussolini ist mittlerweile zum führenden Politiker der Faschisten geworden.
Umwandlung der Fasci in die Nationalfaschistische Partei (PNF).

1922
27. – 30. Oktober: Mussolini nützt die innenpolitische Krise des sozialistischen Massenstreiks und die Angst vor einem Bürgerkrieg. Er droht mit der gewaltsamen Übernahme der Regierung, mit dem Marsch auf Rom.
Berufung nach Rom durch den König, welcher hiermit das Parlament übergeht.

1924
6. April: Mit dem neu erlassenen Wahlgesetzt erlangen die Faschisten die parlamentarische Mehrheit.

1925
Es folgt der Aufbau der Diktatur, mitgetragen von Dekreten des Königs.

1926
Verbot aller Parteien ausser der PNF.
Mehrfach werden Attentate auf Mussolini verübt, die jedoch alle scheitern.

1929
11. Februar: Mit den Lateranverträgen kommt es zu einer Einigung zwischen Italien und der katholischen Kirche. Gegenseitige Anerkennung als eigenständige Staaten zwischen Italien und dem Vatikan. Dies erhöht das Ansehen Mussolinis im Volk.

1933:
Juni: Erstes Treffen mit Adolf Hitler in Venedig.

1935
Oktober: Italien greift das heutige Äthiopien an.

1936
9. Mai: Mit der Eroberung des heutigen Äthiopiens ruft Mussolini die Wiederauferstehung des Römischen Reiches aus.

1937
Nach einem Besuch in Deutschland Austritt Italiens aus dem Völkerbund. Beitritt zum „Antikominternpakt“ zwischen Deutschland und Japan.

1940
10. Juni: Italien erklärt Frankreich und Grossbritanien den Krieg.

1943
9. Juli: Landung der Alliierten auf Sizilien führt zu einer Schwächung Mussolinis und gleichzeitig zu einer Stärkung der Streikbewegung.
24./25. Juli: Absetzung Mussolinis durch den Faschistischen Grossen Rat und Verhaftung auf Befehl des Königs.
12. September: Befreiung durch deutsche Fallschirmtruppen.
23. September: Mit deutscher Hilfe bildet Mussolini in Salò am Gardasee eine Gegenregierung und ruft die „Soziale Republik Italien“ aus.

1944
5. Juni: Mit der Eroberung Roms Rückzug der deutschen Truppen, wodurch sich auch das Gebiet der Republik von Salò verkleinert.

1945
27. April: Mussolini versucht nach Deutschland zu fliehen, wird aber am Comer See von italienischen Widerstandskämpfern gefangen genommen.
28. April: Benito Mussolini wird gemeinsam mit seiner Geliebten erschossen.

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Bildnachweis:

Benito Mussolini auf Pferd (http://hsgm.free.fr/rajoutsguerre/dirigeants/mussolini.jpg)
Logo der PNF
Mussolini und Hitler
(http://teachpol.tcnj.edu/amer_pol_hist/fi/00000167.jpg)

Quellen:

Faschismus:
Nolte, Ernst: Der Faschismus in seiner Epoche, Piper, 5. Auflage, München 2000.
Laqueur, Walter: Faschismus, Gestern – Heute – Morgen, Ullstein, Berlin 2000.

Faschismus in Italien:
Mantelli, Brunello: Kurze Geschichte des italienischen Faschismus, Verlag Klaus Wagenbach, 3. Auflage, Berlin 2004.
Altgeld, Wolfgang (Hrsg.): Kleine italienische Geschichte, Reclam, Stuttgart 2002.