Deutschland stand im November 1918 am Rande der Kapitulation, als sich in verschiedenen Städten Soldaten und ArbeiterInnen erhoben und die politische Macht übernahmen. Am 11. November wurde in Berlin die Republik ausgerufen und der Kaiser dankte ab. Die Sozialdemokraten hatten die politische Macht errungen und bildeten die erste, vorübergehende Regierung. Am 11. November kam es zu einem Waffenstillstand zwischen Deutschland und den Alliierten. In den Friedensverträgen von Versailles anerkannte Deutschland die volle Kriegsschuld, verpflichtete sich zu Reparationszahlungen (Wiedergutmachung für die Kriegsschäden) und akzeptierte eine entmilitarisierte Grenze zwischen Frankreich und Deutschland (Rheinland). Die Friedensverträge fanden in Deutschland keine Zustimmung, jedoch gab es keine Alternative, da sonst die Besetzung drohte. Die deutsche Übergangsregierung hatte mit den Wirren der Nachkriegszeit zu kämpfen. Zum einen lag die militärische Macht bei den zurückkehrenden Soldaten, die der Sozialdemokratie nicht nur freundlich gesinnt waren, zum anderen zersplitterte sich die SPD zusehends in einen radikalen und einen gemässigten Flügel. 1919 fanden die ersten freien Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt, die die Weimarer Republik gründete.
In die Anfangsphase der Republik ist auch die Gründung der Deutschen Arbeiterpartei (DAP), die 1920 in Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP) umbenannt wurde, einzuordnen. Mit ihrem 20-Punkteprogramm von 1920 ordnete sie sich deutlich ins rechtsnationalistische, völkische Lager ein, mit starken antisemitischen, antiliberalen und antimarxistischen Tendenzen. Ein Hauptziel der NSDAP war die Tilgung des Versailler Friedensvertrags und ein Ende der Reparationszahlungen. Die Partei war in Bayern angesiedelt und schaffte in der ersten Phase den Sprung über die Landesgrenze (in der Schweiz Kantonsgrenze) nicht. Inspiriert von Mussolinis Marsch auf Rom inszenierten Hitler und die NSDAP 1923 den Marsch auf die Feldherrenhalle (München). Der Putschversuch misslang, Hitler wurde verhaftet und zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt, die NSDAP verboten und aufgelöst.
Reorganisation der NSDAP
Der fehlgeschlagene Putsch, der Prozess und die Haftzeit schadeten dem Ansehen Hitlers nicht, sondern machten ihn zum Märtyrer für die nationale Sachen. Er benutzte den Prozess als Propagandaplattform und die Haftzeit um den ersten Teil seines Buches „Mein Kampf“ zu schreiben. Bereits nach 8 Monaten Haft wurde Hitler vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen und widmete sich seit Dezember 1924 der Reorganisation der Partei. Aus den Erfahrungen des fehlgeschlagenen Putsches hatte Hitler Lehren gezogen: Er lehnte fortan einen Putsch ab und wollte die Macht durch Massenmobilisierung und Wahlen gewinnen. Durch eine klare Abgrenzung gegen andere völkische Gruppen und Organisationen wollte er der Partei ein klares Profil geben und sie als Sammelbecken für nationalistische Kräfte nützen. Um eine Massenmobilisierung zu ermöglichen musste die Partei wachsen und auch ausserhalb Bayerns an Einfluss gewinnen. Er straffte und hierarchisierte die Parteiorganisation und erhob sich zum Führer.
In den folgenden drei Jahren wuchs die Partei an, durch eine zentrale Bürokratie konnten die Mitglieder effektiv erfasst werden. Die Partei umfasste zwar Ende 1925 27‘000 Mitglieder, die sich aber in einem weitgespannten Netz von Ortsgruppen organisierten. Am 1. Reichsparteitag der NSDAP 1926 musste Hitler ein letztes Mal seinen Führungsanspruch durchsetzen und schloss die Phase der Reorganisation ab. Zwar konnte Hitler die Partei ausbauen, jedoch vermochte er nicht die Sympathie in der Gesellschaft zu stärken. So vereinte sie bei den Wahlen 1928 nur gerade 2,6% der Stimmen auf sich. Die NSDAP war damit eine von vielen, kleinen Kaderparteien am rechten Rande, die noch nicht in die politische Ereignisse eingreifen konnten.
Aufstieg zur Massenpartei
Die Geschichte der NSDAP ist stark an die Entwicklung der Weimarer Republik gekoppelt. Die Weimarer Republik stabilisierte
sich nach 1920 relativ schnell, hatte aber immer mit dem schweren Erbe der Nachkriegszeit zu kämpfen. Da sich auf der politischen Bühne eine Polarisation abzeichnete, war eine Regierungsbildung schwierig. Seit 1928 herrschte in Deutschland eine grosse Koalition aus SPD, Zentrum, Deutscher Volkspartei (DVP) und Deutscher Demokratischer Partei (DDP) unter dem Kanzler Hermann Müller (SPD). Diese Regierung versuchte sich gegen die antiparlamentarischen Pole links wie rechts durchzusetzen. Doch der Rechtsrutsch, der sich 1925 bereits in der Wahl von Hindenburg zum Reichspräsidenten gezeigt hatte, war nicht mehr aufzuhalten. Er wurde auch in den gemässigten Parteien immer spürbarer. Bei den Konservativen führte er zu einer Annäherung an die Positionen der NSDAP. Neben dem Rechtsrutsch sah sich die Koalition auch immer mehr der nationalistischen Propaganda ausgesetzt. So organisierten NSDAP, Deutsche Nationale Volkspartei (DNVP) und der „Stahlhelm, Bund Deutscher Frontsoldaten“ eine Kampagne gegen den Young-Plan, welcher die Reparationszahlungen neu regeln sollte und positive Veränderung der aktuellen Situation brachte. Doch Nationalisten nützten das Thema um eine Front gegen die Versailler Verträge und ihre Unterzeichner, die Sozialdemokraten, zu bilden. Diese wurden beschuldigt, durch die Revolution von 1918 einen Sieg Deutschlands verunmöglicht und die Kapitulation erzwungen zu haben (Dolchstosslegende). Die Propaganda forderte einen Volksentscheid, der im Dezember 1929 mit 86,2% für den Young-Plan in einer Niederlage der Nationalisten endete. Trotz der Niederlage waren solche Propagandafeldzüge aber wichtig um die Bekanntheit und die Positionen der NSDAP zu stärken.
Die Weltwirtschaft wurde durch den Zusammenbruch der New Yorker Börse am 24. Oktober 1929 schwer erschüttert. In Deutschland brach der Export ein und das deutsche Volkseinkommen sank bis 1932 um 39%. Die wirtschaftliche Krise wirkte sich fatal auf die Arbeitslosigkeit aus. So stieg diese bis 1931 auf 27.9% an und betraf jeden dritten Deutschen. Der Börsensturz hatte nicht nur wirtschaftliche Konsequenzen, sondern wirkte sich auch auf die Psyche der Menschen aus. Eine Katastrophenstimmung machte sich nicht nur bei den unteren Schichten breit, sondern auch im Mittelstand. Auf der Strasse nahm die politische Gewalt zu und die Ordnungskräfte waren überfordert. Den antidemokratischen Parteien ermöglichte die Krisenstimmung eine ungehemmte Propaganda gegen die Republik zu entfachen. Als Ursache der Krise wurde das politische System genannt.
Am 27. März 1930 löste sich die grosse Koalition auf und die letzte demokratische Regierung dankte ab. Schon vor dem Ende der grossen Koalition wurden zwischen dem Reichspräsidenten Hindenburg und rechten Politikern Diskussionen über die weitere Gestaltung der Weimarer Republik geführt. Ohne Rücksicht auf die Mehrheiten im Parlament und ohne Rücksprache mit den Fraktionen wurde Heinrich Brüning (Zentrum) als Reichskanzler eingesetzt, der ein Kabinett aus bürgerlichen Politikern um sich scharte. Misstrauensanträge von der SPD und KPD konnten durch das geschlossene Auftreten der Bürgerlichen mehrmals verhindert werden. Hauptziel der Regierung Brüning war die Beendigung der Reparationszahlungen an Frankreich. Wirtschafts- und sozialpolitische Überlegungen mussten sich diesem Primat unterordnen. So wurde durch die Deflationspolitik mit Kürzung der Sozialausgaben und erhöhten Steuern, die soziale Krise verschärft. Im Juli 1930 löste Reichspräsident Hindenburg den Reichstag auf und rief Neuwahlen aus, die keine Mehrheit brachten. Brüning regierte mit Notverordnungen.
Die Propaganda gegen das System, die Kampagne gegen den Young-Plan und die wirtschaftliche Situation verhalfen den Nationalsozialisten zum politischen Durchbruch. Sie erhöhten ihren Stimmenanteil von 2,6% auf 18,4% und waren somit hinter den Sozialdemokraten zweitstärkste Fraktion im Reichstag. Nicht nur die NSDAP konnte zulegen, sondern auch die KPD, was eine Regierungsbildung erschwerte.
Die SPD sah sich einer wachsenden braunen Gefahr gegenüber, lehnte aber eine Koalition mit der in ihren Augen undemokratischen KPD ab. Da ein weiteres Abdriften nach rechts zu erwarten war, unterstützte sie widerwillig die Politik Brünings. Dieser konnte so mit parlamentarischer Mehrheit seine Politik der Destabilisierung fortführen. Um den Versailler Vertrag zu brechen, nahm er die Verelendung breiter Massen der deutschen Bevölkerung in Kauf. 1931 mussten Banken in Deutschland ihren Zahlungsverkehr einstellen und private Vermögen konnten nicht mehr ausbezahlt werden. Die wirtschaftlich desolate Lage Deutschlands veranlasste den amerikanischen Präsident Hoover die Reparationsforderungen einzustellen. Er fürchtete um die amerikanischen Kredite in Deutschland und sah ein, dass ein Zusammenbruch Deutschlands die amerikanische Wirtschaft schwer belasten würde.
Machtübergabe an die Nationalsozialisten
1932 musste Brüning abtreten und durch Intrigen des Reichswehrministers, General Schleicher, kam der rechtsgerichtete Papen an die Macht. Die neue Regierung um Papen hatte keine parlamentarische Mehrheit und vertrat nur 6% der Bevölkerung. Sie regierte mit Notverordnung und versuchte die Macht des Kanzlers gegenüber dem Parlament weiter zu stärken. Im Juni 1932 löste Papen den Reichstag auf und kündigte im Juli Neuwahlen an. Die Nationalsozialisten wurden zur stärksten Fraktion und erreichten einen Stimmenanteil von 37,4%. Hitler wurde die
Regierungsbeteiligung mehrmals angeboten, was er trotz der Aufhebung des SA-Verbots ablehnte. Für ihn galt die Formel „alles oder nichts“ und er wollte die totale Herrschaft. Unter der Regierung Papen entwickelte sich das parlamentarische System zu einem Präsidialsytem, das mit diktatorischen Mitteln regieren konnte. Der Zerfall der Republik wurde endgültig eingeleitet. Schleicher erkannte die wachsende Kritik an Papen, setzte ihn mit einer List ab und übernahm selber die Regierungsgewalt.
Er versuchte mit verschiedenen Konzepten eine Regierung mit parlamentarischer Mehrheit zu bilden, näherte sich den Gewerkschaften, erweckte aber damit bei den Industriellen das Bild eines „roten Generals“. Auch die Proklamierung des Staatsnotstands wurde diskutiert, scheiterte aber am Widerstand Hindenburgs. Hinter dem Rücken Schleichers näherten sich Hitler und Papen an. Aus persönlichen Motiven wollte Papen Schleicher stürzen und unterstützte die Kanzlerschaft Hitlers. Durch seine Kontakte zum Reichspräsidenten Hindenburg konnte er die Entlassung Schleichers erwirken. Am 30. Januar 1933 wurde Hitler zum Kanzler ernannt und ein neues Kabinett aus NSDAP und Konservativen vereidigt. Hitler wurde unterschätzt, Bedenken bezüglich der Ernennung wurden durch Gerüchte über einen möglichen Putsch der Reichswehr fortgespült.
Hitler wurde bei seiner Ernennung deutlich unterschätzt. Man war davon ausgegangen, dass Hitler durch die konservativen Minister und den Vizekanzler Papen effektiv gezähmt werden könnte. Doch wurde vergessen, dass Hitler ein energischer Gegner der Demokratie war und durch seine dynamische Massenpartei und paramilitärischen Verbände eine ungeheure Macht bündelte. Diese konnte er nutzen um die Weimarer Republik gänzlich zu zerstören und den Aufbau seiner Diktatur einzuleiten.
Fazit
Rückblickend wird deutlich, dass es keine einfache Erklärung für den Aufstieg der NSDAP gibt. Der allgemeine Trend nach rechts und die Führererwartung breiter Schichten machten die NSDAP salonfähig. Durch die grosse Dynamik der Partei war es möglich gegensätzliche Interessen zu vereinigen und eine klassenübergreifende Basis zu gewinnen. Auch die Gliederung der Partei nach Berufs- und Interessengruppen trugen ihren Teil zur gesellschaftlichen Breite der Partei bei. Die Young-Kampagne verhalf der Partei zu reichsweiter Aufmerksamkeit, was sich bei den Wahlen 1930 niederschlug. Auch die einsetzende Wirtschaftskrise mit Massenarbeitslosigkeit nützte die Partei für ihre Propaganda und gab den Menschen das Gefühl von Zukunft und Einheit. Die NSDAP besass 1933 keine Mehrheit im Reichsrat und Hitler wurde nur zum Kanzler gewählt, weil man ihn unterschätzte und die kommende Machtentfaltung nicht erwartete.
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Bildnachweis
Klerus (Spiegel Special, Die Gegenwart der Vergangenheit, S.156)
Naziaufmarsch (Spiegel Special, Die Gegenwart der Vergangenheit, S.15)
Parlament Nazis
(http://teachpol.tcnj.edu/amer_pol_hist/fi/00000164.htm)